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Einmal Erdbeer für zwei

von Claudia Hornung

 

 

„Puh“, mault Lukas beim Frühstück. „Ist das heiß heute …“

„Stimmt“, sagt Mama fröhlich. „Wollen wir ins Schwimmbad gehn, wenn ich von der Arbeit komme?“

„Aber das dauert noch soooo lange“, meint Lukas finster. „Bis dahin bin ich längst geschmolzen.“

Mama lacht und gibt ihm einen Kuss. „Das glaube ich nicht. Bis später, mein Schatz!“

 

Draußen ist keiner, weder auf dem Spielplatz, noch auf der großen Wiese, wo Lukas sonst mit seinen Freunden Fußball spielt. Wütend lässt er sein Fahrrad ins Gras fallen und kickt einen Stein durch die Luft. Alle sind im Urlaub, nur er nicht. Mama hat gesagt, sie hätten dieses Jahr kein Geld dafür. Und während er sich hier langweilt, toben alle seine Freunde am Strand oder im Meer herum. Was ist das Leben doch manchmal ungerecht!

„He, du da“, ruft eine helle Stimme.

Lukas fährt herum. Ein Mädchen auf einem Skateboard! Keck schiebt sie ihre Schirmmütze in den Nacken. Ihr Gesicht ist voller Sommersprossen, die in der Sonne glänzen. Lukas ist sicher, dass er sie noch nie hier gesehen hat.

„Was denn?“, knurrt er.

Frech grinst sie zu ihm herüber. „Schlechte Laune?“

„Das geht dich gar nichts an“, faucht er.

„Nun sei nicht gleich eingeschnappt“, sagt sie und streckt ihm versöhnlich die Hand hin. „Ich bin Mia. Wir sind gestern da drüben eingezogen.“

„Hm“, brummt Lukas und starrt auf seine Turnschuhe.

Mia lässt sich davon nicht beeindrucken. „Bist du allein?“

Er nickt. „Die anderen sind alle verreist.“

„Ach so“, sagt sie. „Jetzt verstehe ich ... Hast du vielleicht Lust, mir deine Stadt zu zeigen?“

Lukas überlegt kurz, dann nickt er erneut.

„Prima“, freut sich Mia.

Sie hängt sich an seinen Gepäckträger und Lukas tritt in die Pedale. In flottem Tempo durchqueren sie die Siedlung. Lukas staunt, wie geschickt Mia auf ihrem Skateboard ist. Außerdem scheint sie überhaupt keine Angst zu haben. Sie lacht, während ihr langes rotes Haar im Fahrtwind flattert. Lukas zieht sie am Spielplatz vorbei, an der rostigen Brücke und am kleinen Kino, das um diese Uhrzeit noch geschlossen ist.

„Kommst du nach den Ferien auch in meine Schule?“, fragt er über die Schulter.

„Mensch, es sind Ferien“, protestiert Mia. „Da will ich von der Schule nichts wissen.“

Lukas grinst und düst ohne ein weiteres Wort am verlassenen Schulhof vorbei. Die heiße Augustsonne brennt auf ihn herunter, das T-Shirt klebt an seinem Rücken. „Ich weiß, wo wir uns abkühlen können“, ruft er.

„Gute Idee“, ruft sie zurück.

Mit Mia im Schlepptau radelt Lukas durch mehrere kleine Spielstraßen bis zur Fußgängerzone. Neben der Peterskirche gibt es einen Park mit einem Springbrunnen. Herrlich kühles Wasser strömt aus den Bronzefiguren.

„Ist das dein Ernst …?“, fragt Mia.

„Klar“, sagt Lukas. „Das stört hier keinen.“

Sie ziehen die Schuhe aus, setzen sich auf den Brunnenrand und lassen die Beine ins Wasser baumeln.

„Jetzt fehlt nur noch ein Eis“, lacht Mia.

„Da drüben gibt es welches“, sagt Lukas. „Aber ich hab‘ nicht genug Geld.“

„Vielleicht reicht es, wenn wir zusammenlegen?“ Mia kramt in ihrer Latzhose und findet tatsächlich ein paar Münzen.

Lukas trabt zur Eisbude. Für zwei Waffeln reicht es leider nicht, aber als die Verkäuferin seinen enttäuschten Blick sieht, packt sie ihm eine rosafarbene Riesenkugel in den Becher. „Einmal Erdbeer für zwei“, sagt sie und zwinkert ihm zu. „Müsst ihr euch eben teilen.“

Lukas ist unsicher, was Mia davon hält, aber sie schnalzt begeistert mit der Zunge. „Mmh, Erdbeereis! Das mag ich am liebsten!“

Abwechselnd löffeln sie, bis nichts mehr übrig ist.

„Weißt du was?“, sagt Lukas. „Ich bin froh, dass ich dich getroffen habe.“

„Ach nee“, lacht Mia. Dann fügt sie leise hinzu: „Schön.“

Und Lukas sieht schnell zur Seite, bevor er so rot wird wie eine Erdbeere.

 

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